Wie Staat und Wirtschaft Ihre Daten ausspionieren

Fast täglich geben wir unsere persönlichen Daten her – freiwillig oder unfreiwillig – und hebeln damit den Datenschutz selbst aus. Kundenkarten, Internetbestellungen und Rabattsysteme sorgen dafür, dass Unternehmen komplette Datenprofile über ihre Kunden erstellen können. Soziale Netzwerke verleiten dazu, persönliche Angaben aller Art freiwillig ins Internet zu stellen. Microsoft, Google & Co. sammeln Daten, die eigentlich gegen jeden Persönlichkeitsschutz verstoßen. Arbeitgeber bespitzeln ihre Angestellten, oft legal, aber auch unter Umgehung gesetzlicher Vorgaben. Und auch der Staat will pausenlos wissen, was seine Bürger ausmacht. Aktuellstes Beispiel: Die Volkszählung 2011.

Die wissen alles über uns

Franz Kotteder will die Bürger aus ihrer Unmündigkeit befreien. Sein Motto lautet: „Es gibt keinen Grund, auf Privatsphäre zu verzichten.“ In seinem Buch Die wissen alles über Sie zeigt er die Gefahren des Identitätsklaus und der Bürgerüberwachung auf.

Hier erhalten Sie exklusiv die wichtigsten Informationen zur aktuellen Volkszählung auf einen Blick:

Welche Daten werden erhoben?

Falls Sie zur Befragung ausgewählt werden, müssen Sie 46 Fragen beantworten. Neben Fragen zum Alter, Schulbildung, Beruf, ihrer Wohnsituation oder ihren Lebenspartnern, kommen auch Fragen über einen Migrationshintergrund oder ihre Arbeitsfähigkeit vor.

Wer wird befragt?

Mehr als 80 Millionen Menschen leben in Deutschland, aber nur 7,9 Millionen werden über ein Zufallsverfahren für die Haushaltebefragung ausgewählt, um direkt Auskunft zu geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie zu den Befragten gehören, liegt bei ungefähr eins zu zehn. Außerdem werden rund 17,5 Millionen Haus- und Wohnungseigentümer befragt, so dass am Ende etwa ein Drittel der Bevölkerung Auskunft geben muss.

Wie viele Interviewer sind im Einsatz?

Rund 80.000 Interviewer werden im Einsatz sein, um etwa 10 Prozent der Bevölkerung zu befragen.

Was kostet die Volkszählung?

Ursprünglich wurde mit Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro gerechnet. Nach Angaben von Sabine Bechthold von der Zensuskommission geht man mittlerweile von 710 Millionen Euro Kosten aus.

Besteht eine Auskunftspflicht?

Ja! Falls Sie sich weigern, kann ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro verhängt werden. In der Regel wollen sich die Behörden nach eigenen Angaben aber auf rund 300 Euro beschränken.

Woher kommen die Daten?

Bei der Volkszählung 2011 handelt es sich um eine sogenannte „registergestützte Volkszählung“. Die wesentlichen Quellen der Informationen sind die Datenbanken von Einwohnermeldeämtern und Arbeitsagenturen.

Wann werden die Daten erhoben?

Stichtag ist der 9. Mai 2011.

Kritik am Zensus 2011

Über die Identifikationsnummer lassen sich auch Personendaten vier Jahre lang zuordnen, die bisher nicht zugeordnet werden konnten. Eine solche Zusammenführung stellt einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar.
Die Zusammenführung personenbezogener Daten aus unterschiedlichen Quellen stellt eine Zweckentfremdung dieser Daten dar.
Nach wie vor ist unklar, wie die Datensätze auf Verwaltungs- und auf europäischer Ebene weiter genutzt werden.
Die Fülle an Erhebungsmerkmalen stellt einen Verstoß gegen die Datensparsamkeit dar.
Die IT-Sicherheit ist wie beim neuen Personalausweis nicht gewährleistet.
Selbst nach Löschung der Identifikationsnummer können mit Hilfe von spezieller Software die verbleibenden Daten dazu genutzt werden, Persönlichkeitsprofile zu erstellen.
Was könnte im schlimmsten Fall mit meinen Daten geschehen?

Für den Fall eines Terroranschlages wie Nine-Eleven könnte die politische Bereitschaft groß sein, die Daten zur Rasterfahndung heranzuziehen.
Hacker könnten sich Zugriff zu den zusammengeführten Daten verschaffen und hätten damit die größte und kompletteste Datensammlung Deutschlands.
Daten könnten sowohl beim Versand der acht Millionen Fragebögen als auch beim späteren Einlesen entwendet werden.
Neugierig geworden? Mehr Informationen über den Sinn und Unsinn des Zensus 2011 erfahren Sie in diesem Buch.

Die wissen alles über Sie
Wie Staat und Wirtschaft Ihre Daten ausspionieren – und wie Sie sich davor schützen: das Buch zur Volkszählung
Fast täglich geben wir unsere persönlichen Daten her, freiwillig oder auch unfreiwillig, und hebeln damit jeden Datenschutz selbst aus. Wer sich also wundert, warum Internetanbieter den persönlichen Geschmack so gut einschätzen können, ist meist selbst schuld. Soziale Netzwerke wie Facebook, Lokalisten oder SchülerVZ verleiten dazu, persönliche Angaben aller Art freiwillig ins Internet zu stellen. Und auch der Staat will pausenlos wissen, was seine Bürger ausmacht: Die Volkszählung 2011 ist nur der sichtbare Höhepunkt der öffentlichen Sammelwut. Franz Kotteders Buch zeigt, dass Gefahren wie Identitätsklau und Bürgerüberwachung mit jedem neuen Formular steigen, und er klärt auf, warum wir von einem wirklichen Datenschutz noch sehr weit entfernt sind.

Der Bundestrojaner lässt grüßen.

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